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Architektur

Im Rahmen des Modell­verfahrens Mäusebunkers soll die Diskussion um Denkmal­würdigkeit und Erhalt des ikonischen Gebäudes im inter­nationalen Diskurs der Bau­kultur geführt werden.

 

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Paul Rudolph: Yale Art & Architecture Building – Nicht nur restaurieren, sondern weiterbauen

Das Yale Art & Architecture Building wurde bei seiner Fertigstellung als Meisterwerk gefeiert. Doch nur wenige Jahre später mehrten sich die Kritiker und der Bau verfiel zusehends. Erst eine umfassende Restaurierung und Erweiterung 2008 rehabilitierte den Bau, der heute wieder in altem neuem Glanz erstrahlt.

Außenansicht des A&A Building Yale, Fassade aus Sichtbeton und Fenstern
A&A Building Yale, 1959–63, Umbau 2008

Bild: Felix Torkar, 2021

Mit dem Art & Architecture Building schuf der Architekt Paul Rudolph 1959–63 für die Yale University in New Haven, CT, USA, eine Ikone des Brutalismus. Mit insgesamt 37 verschiedenen Ebenen auf neun Stockwerken ist die Kunstgeschichts- und Architekturfakultät eine labyrinthische Festung. Die gerillten Sichtbetonoberflächen wurden für eine archaisch-grobe Struktur allesamt aufwendig von Hand mit dem Stockhammer bearbeitet. Zur Eröffnung schaffte es der Bau als Erster gleichzeitig auf die Titel der drei größten amerikanischen Architekturzeitschriften. Bis zum Ende der Dekade fiel das A & A Building jedoch in Ungnade. Die Spezifik des Baus stieß nach veränderter akademischer Ausrichtung, unter der das Gebäude stark umgenutzt wurde, rasch an ihre Grenzen. So stand das A & A Building ab Mitte der 1960er-Jahre stark in öffentlicher Kritik und wurde mitunter sogar als »total failure« betitelt, die es durch Rudolphs übertriebenen Individualismus versäume, grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein signifikanter Teil der Unzufriedenheit daher rührte, dass die Universitätsverwaltung selbst grundlegendste Instandhaltungs- und Ordnungsmaßnahmen über Jahre verschleppte und die Missstände durch starke Überbelegung weiter verschlimmerte. Ein Brand, der 1969 Teile des Interieurs beschädigte, beschleunigte das Schicksal und führte weniger als ein Jahrzehnt nach Fertigstellung zu einem weitreichenden, wenig schmeichelhaften Innenumbau.

Detailansicht des A&A Building Yale
Detailansichten des A&A Building Yale

Bild: Felix Torkar

Detailansicht des A&A Building Yale
Detailansicht des A&A Building Yale
Detailansicht des A&A Building Yale

Seit Mitte der 1990er-Jahre wird das Gebäude wieder zunehmend wertgeschätzt. 2008 wurde eine Erweiterung von dem Architekturbüro Gwathmey Siegel & Associates fertiggestellt. Der Bestand wurde dabei wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt und originalgetreu restauriert. Mit einem eigenwilligen Materialmix aus Sandstein, Zink-, Aluminium und Glasverkleidungen grenzt sich der Neubau stark ab und passt sich trotzdem erstaunlich gut in das Gesamtensemble ein. Er demonstriert eine starke Eigenständigkeit, die sich dem Bestand nicht einfach unterzuordnen versucht und zeigt: Erhalt muss sich nicht auf die antiquarische Pflege beschränken. Intelligentes Weiterbauen kann sichtbare neue Zeitschichten bilden und heutige, veränderte Anforderungen bewältigen. 

 

Timothy Rohan: The Architecture of Paul Rudolph, New Haven 2014, 84–113.

 

Gwathmey Siegel Kaufman Architects: Yale Arts Complex, o.J. (PDF)  

Außenansicht des Neubaus des A&A Building Yale, Fassade aus Sandstein, Zink-, Aluminium- und Glasverkleidungen
Außenansicht des Neubaus des A&A Building Yale von 2008

Bild: Felix Torkar, 2021

Innenaufnahme des A&A Building Yale, von Galerie in Foyerbereich mit orangem Teppich, Trennwänden, Tischen und Stühlen
Innenaufnahme des A&A Building Yale, 1959–63, Umbau 2008

Bild: Seth Tisue, 2009 (Creative Commons)

Paul Rudolph

(1918–1997) war ein amerikanischer Architekt, der maßgeblich die US-amerikanische Entwicklung des Brutalismus beeinflusste. Er studierte an der Harvard Graduate School of Design unter Walter Gropius und Marcel Breuer. 1959 wurde er zum Dekan der Architekturfakultät an der Yale University und entwarf hierfür das Art & Architecture Building. Sein Markenzeichen sind aufwendig von Hand mit dem Stockhammer behauene Sichtbetonoberflächen.

Felix Torkar ist zusammen mit Gunnar Klack Gründer der Initiative und Petition zum Erhalt des Mäusebunkers. Der Architekturhistoriker studierte Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin und war als kuratorischer Assistent am Deutschen Architekturmuseum für die Ausstellungen SOS Brutalismus und Making Heimat: Germany, Arrival sowie als Produktionsleiter für die Ausstellung Unbuilding Walls (Deutscher Pavillon, Architekturbiennale Venedig 2018) tätig. Gegenwärtig promoviert er als Stipendiat der Wüstenrot Stiftung an der FU Berlin zum Thema Neobrutalismus. 

 

Paul Rudolph Heritage Foundation