Modellverfahren Mäusebunker

Eine Initiative des Landesdenkmalamtes Berlin

 

Mit dem Modellverfahren Mäusebunker wird durch das Landesdenkmalamt Berlin ein umfassender und spartenübergreifender Diskurs zum Erhalt, zur Umnutzung und Neudeutung einer der signifikantesten Architekturen des Brutalismus in Deutschland/Europa angestoßen.

 

Der sogenannte Mäusebunker, ein radikaler, großmaßstäblicher Entwurf von Gerd und Magdalena Hänska, wurde zwischen 1971-81 als Zentrale Tierlaboratorien der Freien Universität Berlin in Steglitz-Zehlendorf errichtet und von 2003–2010 beziehungsweise 2020 als Forschungseinrichtung für Experimentelle Medizin (FEM) von der Charité Universitätsmedizin Berlin genutzt. Den Spitznamen verdankt das Gebäude seiner hermetischen Anmutung eines Panzers oder Kriegsbunkers. Sowohl der äußeren Hülle, als Ausdruck architektonischer Freiheit, als auch dem Innenraum mit komplexer Erschließung, einem anspruchsvollen Lüftungssystem und konsequenter Trennung dieser beiden Bereiche wird ein besonderer Denkmalwert zugesprochen. Die beiden anderen markanten Betonarchitekturen auf dem Charité Campus Benjamin Franklin, das Krankenhaus (1958-68) und das Institut für Hygiene und Mikrobiologie (1966-74), stehen bereits unter Denkmalschutz. 

 

Der lange geplante und im Jahr 2020 beabsichtigte Abriss des Mäusebunkers im Rahmen der zu diesem Zeitpunkt intendierten Entwicklung des Campus konnte durch die von Gunnar Klack und Felix Torkar initiierte Petition „Rettet den Mäusebunker“, Initiativen wie die Ausstellung „Mäusebunker & Hygieneinstitut: Versuchsanordnung Berlin“ von Ludwig Heimbach und namhafte Unterstützer*innen vorerst aufgehalten werden. 

 

Während die Architektur in der Fachwelt als ästhetisch mutiges Experiment gesehen und für seine technisch-funktionale Infrastruktur bewundert wird, polarisiert die Wirkung des monumentalen Baus in der breiten Öffentlichkeit.

 

Das Landesdenkmalamt Berlin unter der Leitung des Landeskonservators Christoph Rauhut beginnt nun als Moderator ein besonderes Verfahren, welches innovativ, offen und im Dialog den Weg zu einem zeitgemäßen sowie denkmalgerechten Umgang mit dieser komplexen  Bestandsarchitektur bereiten soll. Das Modellverfahren wird transdisziplinär gestaltet und soll ressortübergreifend in Kooperation mit dem Senat, dem Bezirk und einer nationalen und internationalen Fachwelt auf starke Beine gestellt werden und dann in den offenen Dialog mit der Stadtgesellschaft treten. Mit innovativen Betriebs- und Nutzungsmodellen sowie in beispielhafter Bestandserneuerung soll der Mäusebunker in seinem städtebaulichen Kontext verhandelt werden.  

 

„Ich verstehe die Denkmalpflege als ein Protagonist, der in enger Zusammenarbeit mit weiteren Disziplinen an den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen mitarbeitet.“

 

 

Diese Webseite bildet den Diskurs, die Vielstimmigkeit zum Mäusebunker ab und dient als Informationsportal für dieses Verfahren. Hier positionieren sich Fachexpert*innen, kulturelle Akteur*innen, Wissenschaftler*innen und Historiker*innen zur Architektur des Mäusebunkers. Das Gebäude wird im Kontext der Entwicklung des Campus Benjamin Franklin der Charité positioniert und gleichzeitig vor dem Hintergrund der nachhaltigen Stadtentwicklung als Architektur mit wegweisendem Potenzial analysiert. 

 

 

Das Modellverfahren Mäusebunker beleuchtet prozesshaft den aktuellen Diskurs um die Wahrung und Erweiterung des architektonischen Bestands unserer Städte in Kooperation mit Partner*innen und Institutionen, die sich in Berlin, deutschlandweit und international den Herausforderungen des ressourcenschonenden Bauens und Weiternutzens stellen: Es wird unter anderem unterstützt vom Bund Deutscher Architekten bda-bund.de, dem EU Bauhaus, der C20 Society und SOS Brutalism. Auch kommen die Aktivisten zur Rettung des Mäusebunkers zu Wort.

 

 

Mit stetig hinzukommenden neuen Inhalten wird eine konzeptionell vernetzte und fundierte Grundlage für den weiteren Prozess des Modellverfahrens geschaffen. Die Plattform baut auf diskursive Formate wie Statements, Interviews und Projekten als Fallbeispiele auf. Diskurs  Bestand