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Reimagining

Das Modellverfahren Mäusebunker steht für die Gestaltung eines Prozesses  – hin zu einer nutzungs­orientierten Analyse und Um­deutung dieser sperrigen, ikonen­haften Architektur.

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Dr. Klaus Lederer: Senator für Kultur und Europa

Seit dem Frühjahr 2020 bewegt uns die Zukunft eines Gebäudepaars, tief im Südwesten unserer Stadt. Es sind die von den Architekten*innen Gerd und Magdalena Hänska geplanten Zentralen Tierlaboratorien der Freien Universität, besser bekannt als Mäusebunker, und das gleichzeitig und im engen funktionalen Zusammenhang damit errichtete Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Architekten Fehling und Gogel. Beides sind herausragende Beispiele einer in Sichtbeton ausgeführten Architektur der 1960er und 1970er Jahre und sie zeigen in ihrem Zusammenspiel zwei unterschiedliche Spielarten dieser Entwurfshaltung. Die Gebäude sind als Architekturen einfach besonders. 

 

Um den Erhalt dieser beiden Gebäude findet eine bundesweite, teilweise sogar auch europaweite Diskussion statt. Dass das Institut für Hygiene und Mikrobiologie im Winter diesen Jahres in die Denkmalliste eingetragen worden ist und dass die Charité Universitätsmedizin – Berlin auch bereits angekündigt hat, über die Ansiedlung eines neuen Fraunhofer-Instituts in dem Gebäude den Campus Benjamin-Franklin zu stärken, ist ein erstes starkes Ergebnis der aktuellen Diskussion – für die Berliner Bau- und Denkmalkultur wie aber auch für Berlin als Wissenschaftsstandort. 

Derweil wird die Zukunft des Mäusebunkers in vielen Veranstaltungen und Aktionen –  sogar auch im Rahmen der Architekturbiennale in Venedig – thematisiert.  Als Kultursenator bin ich der Überzeugung, dass die Nachnutzung des Mäusebunkers eine große und auch wieder etwas unkonventionelle Chance zur Stärkung des Kunst- und Kulturstandorts Berlin bietet. Gleichzeitig spiegelt das große Interesse am Mäusebunker und vor allem auch die Kritik am angedachten Abriss einen tiefgreifenden Wandel in unserem Verhältnis zur gebauten Umwelt.

 

Spätestens seit dem Manifest „Das Haus der Erde. Positionen für eine klimagerechte Architektur in Stadt und Land“ des Bundes der Deutschen Architektinnen und Architekten von 2019 gibt es einen gewissen Konsens in der Fachwelt, dass wir der gebauten Umwelt im Lichte der aktuellen Klimakrise eine ganz andere Relevanz zukommen lassen müssen: Unsere Gesellschaft kann sich einen Austausch der gebauten Umwelt, also Abriss und Neubau, aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht mehr leisten. Der Erhalt und die Nachnutzung von historischen Gebäuden, nicht nur von Denkmalen, wird aktuell das Primat einer ressourcenschonenden, behutsamen und somit auch gesellschaftlich verträglichen Stadtentwicklung. 

Das vom Landesdenkmalamt initiierte Modellverfahren Mäusebunker soll ein Beitrag zu dieser Diskussion sein und wird gemeinschaftlich Grundlagen und Perspektiven für die Umnutzung des Mäusebunkers schaffen. Ich bin gespannt und voller Erwartung. 

 

Statement von Dr. Klaus Lederer, August 2021